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Traditionen und Religionen in zeitgenössischen Familien

Zusammenfassung

In diesem Themenbereich wird untersucht, wie religiöse Pluralität und traditionelle Praktiken im Alltag von burkinischen Familien sichtbar werden. Dabei stehen drei Ansätze im Vordergrund. 

Der erste Ansatz zielt darauf ab, den Diskurs über Traditionen sowohl in der Diaspora als auch im städtischen Umfeld in Burkina Faso zu kontextualisieren, indem er eine gewöhnliche Praxis wie die Namensgebung als Einstiegspunkt wählt. Die Art und Weise, wie man sein Kind benennt, kann den Wunsch nach einer Rückkehr zur Tradition widerspiegeln. Diese Untersuchungen werden es ermöglichen, die persönlichen oder familiären Praktiken der Namensgebung mit der Verbreitung globalerer Diskurse über die Tradition und ihre Aneignung zu konfrontieren. Das Untersuchungsfeld wird sich auf Familien in Burkina Faso und auf Familien in der Diaspora in Frankreich und Deutschland erstrecken, um auf der Grundlage von multisituierten Erhebungen Vergleiche anstellen zu können. 

 

Der zweite Ansatz, der sich mit der Praxis des Levirats im städtischen Umfeld befasst, wird es ermöglichen, die Modernität einer als traditionell angesehenen Art der Eheschließung zu erfassen. Das Levirat, bei dem eine Witwe innerhalb der Familie ihres verstorbenen Mannes wiederverheiratet wird, gilt als die traditionelle Form der Ehe schlechthin. Diese Studie soll die aktuellen Anpassungen des Levirats durch die betroffenen Individuen, Männer und Frauen, in Abhängigkeit von ihren familiären und wirtschaftlichen Kontexten, sowie ihren individuellen Zukunftsplänen erfassen.

 

Der letzte Ansatz konzentriert sich schließlich auf die persönlichen Werdegänge von Personen, die in einer multireligiösen Familie sozialisiert wurden. Dieser Fokus wird es ermöglichen, die Entwicklung der innerfamiliären religiösen Dynamik und den Platz, den die traditionellen Religionen darin einnehmen, zu untersuchen, aber auch die aktuellen Wahrnehmungen der religiösen Vielfalt, verstanden als burkinische Tradition. Es soll untersucht werden, inwieweit dieses Modell der religiösen Toleranz vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitskrise in Frage gestellt wird. 

Diese Forschungsarbeiten werden in Zusammenarbeit mit einem burkinischen Fotografen durchgeführt, um neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch eine Fotoausstellung mit Porträts multireligiöser Familien zu realisieren.