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Religiöse Vielfalt und Traditionen in Burkina Faso: historische und aktuelle Herausforderungen

Präsentation

Das Projekt DivTradBF (2021-2024) geht von der Mehrdeutigkeit der Begriffe Tradition und traditionelle Religion aus, die in den lokalen Sprachen Burkina Fasos oft mit demselben Begriff bezeichnet werden. Ausgehend von dieser Beobachtung schlägt es einen pragmatischen und erkenntnistheoretischen Ansatz vor, um das Verhältnis zwischen Tradition und lokalen Religionen an Hand der Praktiken und der Diskurse von Künstlern, Intellektuellen, jungen Menschen und lokaler Chefs zu beobachten, anstatt sich auf zuvor definierte begriffliche Einheiten zu konzentrieren.

Dieses Projekt wird von einem französischen Team (IRD-Imaf) und einem deutschen Team (Universität Mainz, Ifeas) getragen, die gemeinsam mit Kollegen des INSS und der Universität Ki-Zerbo Masterstudenten in Burkina Faso betreuen und mit burkinischen Künstlern zusammenarbeiten, sowohl während der Feldforschungsphasen, als auch bei der Erarbeitung der Methodologie und zur Valorisierung der Forschung.

 

Weit davon entfernt, in die Vergangenheit verbannt zu werden, bleiben Debatten über die traditionelle Religion und/oder die Tradition in der burkinischen Gesellschaft aktuell. Das Projekt zielt daher darauf ab, die historischen und gegenwärtigen Herausforderungen dieser “Traditionen” innerhalb der religiösen Vielfalt Burkina Fasos zu hinterfragen. Die Hauptfrage betrifft also die Beziehungen, die diese Konzepte herstellen, was sie in der burkinischen Gesellschaft entschärfen, neu ordnen oder stören. Wie wirken sich die Verschiebungen, Grenzen und Ähnlichkeiten zwischen traditioneller Religion und Tradition in den Praktiken und Diskursen der Akteure aus? Inwieweit eignen sie sich die “Tradition” wieder an? Und wie macht dies im aktuellen Kontext von Burkina Faso Sinn?

Burkina Faso mit seinen unterschiedlichen religiösen und kulturellen Traditionen scheint ein gutes Untersuchungsfeld zu sein, um über Vielfalt, Begegnungen und Interaktionen nachzudenken, obgleich Studien über die aktuellen Entwicklungen der traditionellen Religionen in Burkina Faso selten sind. Darüber hinaus werden heutzutage traditionelle Religionen im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht, ohne dass klar festgelegt werden könnte, was genau ihr Beitrag dazu sein könnte. Ziel ist es, die vielfältigen Sichtweisen der Akteure in spezifischen sozialen, politischen und historischen Prozessen auf Tradition und traditionelle Religionen zu untersuchen. Wie reinvestieren diese Menschen die traditionelle Religion in einem Moment der Geschichte Burkina Fasos, der von einem Anstieg des Terrorismus, großen politischen Unsicherheiten und besorgniserregenden Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gekennzeichnet ist?

Fünf Arbeitspakete werden die Durchführung dieses Projekts ermöglichen: die Analyse der Diskurse der politischen und intellektuellen Eliten, der darstellenden Künste, der lokalen Herrscher, “gewöhnlicher” Praktiken wie die Namensgebung und schließlich der Neuartikulierung der Tradition und ihrer Patrimonialisierung in ländlichen Gebieten.